Checklisten im Team – nicht immer sinnvoll

Sind Sie ein begeisterter Anhänger von Checklisten? Egal, ob handgeschrieben in extra Checklisten-Notizbüchern & Abreissblöcken oder in elaborierten Apps?

Checklisten geben uns eine Struktur, einen Halt. Schnell neigt man dazu, im ganzen Team mit Checklisten zu arbeiten. Streng wird geregelt, wie jeder einzelne Arbeitsschritt auszusehen hat. Vorgänge sind genau protokolliert, vielleicht sogar zertifiziert.

Das ist für viele Vorgänge gut und richtig. Doch Achtung: Nicht in jeder Branche, nicht in jedem Job machen strenge Checklisten Sinn. Denn sie verleiten zum genauen Nachahmen, zum Einhalten strikter Regeln, kurzum: Sie schränken Kreativität und Schöpferdrang ein. 

Wie schnell passiert es in Teams, dass wir uns an die Formen des Chefs oder der Chefin halten? Trauen wir uns, unseren eigenen Weg zu gehen? Halten wir uns nicht lieber an die lang praktizierte «bewährte» Firmenkultur?

Rolf Dobelli über die Nachahmer

Sicher kennen Sie den Schweizer Unternehmer Rolf Dobelli, der in der NZZ regelmässig Kolumnen schreibt. Eine seiner aktuelleren behandelt «Die Kunst des guten Lebens: Wir Nachahmer». Darin beschreibt er höchst süffisant, wie gerne wir nachahmen. Verhaltensweisen von erfolgreichen Menschen etwa, aber auch Unternehmenskulturen à la Google. Wir sehen etwas, das wir für gut empfinden und wollen es nachahmen.

Doch was ist so schlecht daran? Ganz einfach: Wir erstarren in leeren Formen, die wir kritiklos übernehmen. Wir hängen uns an Checklisten auf. Wir vertrauen auf die äussere Form, ohne das Grosse & Ganze zu sehen. Dobelli warnt vor diesen Formalismen, die häufig in Zeitverschwendung enden und die Sichtweise verengen.

Haben Sie also Mut, durchaus einmal aus den Checklisten und strengen Formalien auszubrechen. Natürlich geht Dobellis Kritik weit über die Checklisten hinaus. Beobachten Sie sich und Ihr Team durchaus kritisch. Hinterfragen Sie Vorgänge – vor allem solche, die «schon immer so gemacht worden sind».

Übrigens: Einen immensen Vorteil haben Checklisten – nämlich dann, wenn es sich um to-Do-Listen handelt. Es gibt eine ungemeine Befriedigung, die Punkte abzuhaken. Am besten von Hand!
Ich selber liebe solche Listen. Doch manchmal verschiebe ich dann doch einiges auf den nächsten Tag, weil mich ein Projekt zu sehr in Anspruch genommen hat. Anstatt wütend über mich selbst zu sein, lasse ich künftig die Planänderung gerne zu.

Janine Wolf-Schindler