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Brainstorming ist weit verbreitet. Gemeinsam hat man mehr Ideen, so lautet die unangefochtene Devise. Doch ist das wirklich so?

Studien zeigen schon lange, dass einige Ideen beim gemeinsamen Brainstorming unter den Tisch fallen. Introvertierte äussern sich nicht, einige wollen «schnell-schnell» eine Lösung finden. Schnelldenkende sind im Vorteil, doch es sind manchmal die Langsameren, die tiefere Ideen produzieren.

Das sind nicht die einzigen Probleme. Beim klassischen Brainstorming gehen schlichtweg viele Ideen verloren. Die erste Idee gibt einen Rahmen vor – alle anderen Ideen folgen dieser. Völlig neue Ansätze oder Ideen können so nicht entstehen und werden gar nicht erst erwähnt.

Wie kann man nun aber gemeinsam im Team Probleme lösen und auf neue Ideen kommen?

Brainstorming im Team

Fast jede gute Lösung braucht seine Zeit. Oft kommt sie uns beim Joggen, unter der Dusche oder nach einem feinen Znacht. Unter Druck setzt sich die Kreativität nicht frei.
Vor einem gemeinsamen Teammeeting sollte man deshalb genug Zeit haben, selbst über das Thema nachzudenken. Wichtig ist: Nicht nur fertige Ideen zählen, sondern auch Lösungsansätze, kreative Wege oder zusätzliche Fragen.

Die 6-3-5 Methode

6 Teilnehmer, 3 Ideen, 5 Minuten – mit dieser Methode sollen möglichst viele Ideen am laufenden Band produziert werden. Der Vorteil: Innerhalb kürzester Zeit entstehen unheimlich viele Ideen. Jeder macht mit, keiner klingt sich aus.

So geht’s:

  • Jeder bekommt ein Blatt Papier, dass in sechs Zeilen aufgeteilt ist. Mit einer Stoppuhr kann es losgehen. In die erste Zeile schreibt jeder drei Ideen – und hat dafür nur 5 Minuten Zeit.
  • Die Papiere werden weiter gereicht. Jeder fügt zu den 3 Ideen seines Nachbarn in die nächste Zeile weitere drei Ideen hinzu, und zwar eine Fortführung dessen Ideen.
  • Nach 30 Minuten sind nun 108 Ideen generiert. Nicht schlecht, oder?

Diese Methode ist nicht für extrem komplexe Fragestellungen geeignet. Aber sie lohnt sich für Marketing- und Event-Ideen und alle anderen Fragestellungen, die sehr offen sind und Kreativität abverlangen.

Diese Methode ist für viele ein alter Hut. Doch haben Sie sie schon mit Zeichnen kombiniert?

Brainstorming mit Zeichnungen

Laut Art Markman, Professor für Psychologie, generiert Sprechen oft einfachere Lösungen.

Räumliche Beziehungen seien erstens schwer mit Worten zu erklären. Zeichnungen sagen dann mehr als Worte. Zweitens, so der Professor, werden durch Bilder zusätzliche Gehirnregionen angeregt, die bei der Ideenfindung hilfreich sind. Drittens sind gerade für Prozesse Diagramme oft hilfreicher als Erklärungen.
C-Sketching ist eine Methode, bei der gemeinsam im Team gezeichnet wird – sie funktioniert ganz ähnlich wie die oben beschrieben 6-3-5-Methode.

  • Jeder bekommt ein Blatt Papier, dass in drei Teile aufgeteilt ist. Dann hat man 15 Minuten Zeit, seine Idee zu zeichnen. Kleine Anmerkungen sind erlaubt, aber nicht zu viel! Wichtig: Jeder hat eine andere Stiftfarbe.
  • Nach 15 Minuten wird getauscht. Nun hat man 5 Minuten Zeit, die neue Idee anzuschauen. Schon starten neue 15 Minuten zum Zeichnen.
  • Am Ende diskutiert man im Team die verschiedenen Ideen.

In diesem Video können Sie die Methode anschaulich im Zeitraffer sehen.

Janine Wolf-Schindler

Kreativ sein – das ist heute in vielen Jobs gefragt. Beinahe immer und überall ist Kreativität ein wichtiges Gut, das heutzutage immer öfter verlangt wird.

Kreativ sein – man muss sein eigenes Patentrezept finden.
© rubysoho – Fotolia.com

Im Marketing, Innovation und in Text- und Designagenturen ist Kreativität seit je her gefragt. Doch selbst im HR, in der Produktion und im Controlling wird verlangt, dass Mitarbeiter innovative Möglichkeiten finden und sie werden motiviert, Prozesse zu hinterfragen und völlig neu zu erfinden.

Natürlich ist auch beim Management Kreativität gefragt: Die Akademie der Führungskräfte fand in einer Umfrage heraus, dass die Mehrheit der Befragten Kreativität bei Führungskräften für sehr wichtig hält. Doch – wie werden wir kreativ? Auf Knopfdruck geht das sicher nicht. Die Anweisung «Sei kreativ» allein genügt nicht, das haben Forscher herausgefunden.

Was also müssen wir machen? Zunächst lohnt es sich, den Begriff Kreativität genauer anzusehen. Man kann sie wie folgt definieren: Kreativität ist die Fähigkeit, Arbeit zu produzieren, die originell aber doch angemessen und nützlich ist. Entgegen landläufiger Meinung ist Kreativität weder angeboren, noch ist man in einer Gruppe kreativer (Brainstorming in der Gruppe ist nicht besonders kreativ, wie dieser Artikel zeigt). Jeder kann also für sich alleine kreativ werden! Fragt sich nur, wie…

Man kann viele Bücher kaufen oder Seminare besuchen. Doch wer sich ein bisschen mit verschiedenen Kreativitätstechniken auseinandersetzt, merkt schnell: Es gibt kein Patentrezept und vieles widerspricht sich. So schlagen Forscher vor, sich absolut zu konzentrieren, Handy und Internet abzuschalten und die Türe zu schliessen. Andere wieder erklären, dass Ablenkungen wie das Klingeln des Telefons uns oft auf den entscheidenden Gedanken bringen können, da durch Ablenkung neue Gehirnregionen miteinander verknüpft werden und etwas Neues entsteht.

Doch Kreativität ist individuell. Ich schlage vor, dass man für sich selber darauf achten soll, wann man einen kreativen Einfall hatte. Wie waren die äusseren Umstände, als wir das letzte Mal eine gute Idee hatten? Vielleicht kann man sich, mit ein bisschen Zeit und Geduld, sein eigenes Patentrezept erstellen.

Für die einen hilft es, in der Natur zu entspannen und gar nicht an einer Lösung eines Problems zu arbeiten. Schon kommt der Geistesblitz. Andere hören klassische Musik und kritzeln auf einem Papier herum. Auch angeregte Unterhaltungen in einem gemütlichen Ambiente lassen oft Neues entstehen. Hier finden Sie weitere interessante Beispiele.

Sich nicht unter Druck setzen zu lassen ist sicher eines der zentralsten Elemente. Doch das wird in unserem Arbeitsalltag immer schwieriger. Wir müssen den Alltag bewusst verlassen, uns entspannen und Abstand zum Problem bekommen – nur so schaffen wir neue Ideen und kreative Lösungen.

Halten wir uns ganz zuletzt an Goethe – mit seinem Ratschlag kommen wir manchmal sicher auch einen Schritt weiter:

In der Idee leben heisst, das Unmögliche zu behandeln,
als wenn es möglich wäre.

Hier finden Sie noch interessante weiterführende Informationen zu Kreativitätstechniken

Janine Wolf