Tipps für Ihren Betrieb


Trauer am ArbeitsplatzIn Zeiten von Hochleistung, Effizienz und Konkurrenzkampf kann man sich schwer vorstellen, wie man mit einem Trauerfall am Arbeitsplatz umgehen soll. Das Team – aber auch der Betroffene selbst – ist unsicher: Wie soll man sich verhalten? Besonders schlimm ist die Betroffenheit, wenn Kinder von Kollegen/Vorgesetzten gestorben sind. Nach drei Tagen wieder in den Alltag zurückkehren ist unmöglich.  «Business as usual» – das ist für einen Trauernden verstörend und unangemessen.

Wir zeigen in diesem Beitrag auf, wie man als Betroffener und als Team reagieren kann.

Wünsche der Betroffenen herausfinden

Jeder reagiert im Trauerfall anders. Wichtig ist es aber, dass man den Trauernden nicht alleine lässt. Der Vorgesetzte sollte fragen, wie der Trauernde mit der Situation umgehen möchte: Nicht über die Situation reden oder lieber «offen, emotional» sein? Über die Situation reden?

Viele wollen intuitiv nicht darüber sprechen, doch manchmal tut es doch gut, sich mitzuteilen. Dafür muss auch in der Arbeit Raum sein.

Was kan das Team im Trauerfall tun?

Mitgefühl, Empathie, Verständnis – das braucht es nun besonders. Möglich ist das aber nur, wenn zwischenmenschlich alles stimmt. Gemeinsam im Team sollte man versuchen, den Trauernden zu entlasten. Natürlich lenkt Arbeit ab, doch sollte sie nicht unnötig stressen.

Der Teamchef sollten in einem Todesfall rasch reagieren und im Team für Transparenz schaffen. Jedem muss klar sein: Begegnen Sie dem Trauernden mit Respekt und Mitgefühl. Ausweichen und nichts sagen, das ist unangenehm und nicht angebraucht.

Als Arbeitskollege sollten Sie dem Trauernden eine Hand reichen. Möchte er in der Mittagspause oder danach reden? Bieten Sie immer wieder unaufdringlich eine Gesprächsmöglichkeit an.

Ganz wichtig ist das Wissen, dass die Trauer nach dem ersten Schock von einigen Tagen erst später einschlägt. Viele sind Wochen und Monate danach verstört, traurig, verwirrt.
Selbsthilfegruppen sind für viele ein grosse Hilfe. Sich mit Betroffenen auszutauschen, gibt Kraft und Zuversicht. Als Teamchef sollten Sie daher diese Möglichkeit ansprechen, wenn ein gutes Verhältnis mit dem Betroffenen haben.

Arbeitsplatz – trauerfreie Zone?

Für manche hilft es, wenn man nach dem Todesfall wieder arbeiten geht. Die tägliche Arbeit gibt Struktur und Ablenkung. Der Todesfall wird zurückgedrängt. Dennoch sollte er nicht vergessen gehen.

Trauerexpertin Yvonne Russell berichtet dazu in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von einer positiven Erfahrung Wochen nach dem Todesfall: Sie wurde gefragt, was die Trauer mache. Diese Nachfrage gab ihr  das wohltuende Gefühl, beachtet zu werden. Zugleich wurde ihr eine kleine Distanz geschenkt, die half, die Contenance zu behalten: «Trauer» wurde in der dritten Person formuliert.

Janine Wolf-Schindler

Brainstorming ist weit verbreitet. Gemeinsam hat man mehr Ideen, so lautet die unangefochtene Devise. Doch ist das wirklich so?

Studien zeigen schon lange, dass einige Ideen beim gemeinsamen Brainstorming unter den Tisch fallen. Introvertierte äussern sich nicht, einige wollen «schnell-schnell» eine Lösung finden. Schnelldenkende sind im Vorteil, doch es sind manchmal die Langsameren, die tiefere Ideen produzieren.

Das sind nicht die einzigen Probleme. Beim klassischen Brainstorming gehen schlichtweg viele Ideen verloren. Die erste Idee gibt einen Rahmen vor – alle anderen Ideen folgen dieser. Völlig neue Ansätze oder Ideen können so nicht entstehen und werden gar nicht erst erwähnt.

Wie kann man nun aber gemeinsam im Team Probleme lösen und auf neue Ideen kommen?

Brainstorming im Team

Fast jede gute Lösung braucht seine Zeit. Oft kommt sie uns beim Joggen, unter der Dusche oder nach einem feinen Znacht. Unter Druck setzt sich die Kreativität nicht frei.
Vor einem gemeinsamen Teammeeting sollte man deshalb genug Zeit haben, selbst über das Thema nachzudenken. Wichtig ist: Nicht nur fertige Ideen zählen, sondern auch Lösungsansätze, kreative Wege oder zusätzliche Fragen.

Die 6-3-5 Methode

6 Teilnehmer, 3 Ideen, 5 Minuten – mit dieser Methode sollen möglichst viele Ideen am laufenden Band produziert werden. Der Vorteil: Innerhalb kürzester Zeit entstehen unheimlich viele Ideen. Jeder macht mit, keiner klingt sich aus.

So geht’s:

  • Jeder bekommt ein Blatt Papier, dass in sechs Zeilen aufgeteilt ist. Mit einer Stoppuhr kann es losgehen. In die erste Zeile schreibt jeder drei Ideen – und hat dafür nur 5 Minuten Zeit.
  • Die Papiere werden weiter gereicht. Jeder fügt zu den 3 Ideen seines Nachbarn in die nächste Zeile weitere drei Ideen hinzu, und zwar eine Fortführung dessen Ideen.
  • Nach 30 Minuten sind nun 108 Ideen generiert. Nicht schlecht, oder?

Diese Methode ist nicht für extrem komplexe Fragestellungen geeignet. Aber sie lohnt sich für Marketing- und Event-Ideen und alle anderen Fragestellungen, die sehr offen sind und Kreativität abverlangen.

Diese Methode ist für viele ein alter Hut. Doch haben Sie sie schon mit Zeichnen kombiniert?

Brainstorming mit Zeichnungen

Laut Art Markman, Professor für Psychologie, generiert Sprechen oft einfachere Lösungen.

Räumliche Beziehungen seien erstens schwer mit Worten zu erklären. Zeichnungen sagen dann mehr als Worte. Zweitens, so der Professor, werden durch Bilder zusätzliche Gehirnregionen angeregt, die bei der Ideenfindung hilfreich sind. Drittens sind gerade für Prozesse Diagramme oft hilfreicher als Erklärungen.
C-Sketching ist eine Methode, bei der gemeinsam im Team gezeichnet wird – sie funktioniert ganz ähnlich wie die oben beschrieben 6-3-5-Methode.

  • Jeder bekommt ein Blatt Papier, dass in drei Teile aufgeteilt ist. Dann hat man 15 Minuten Zeit, seine Idee zu zeichnen. Kleine Anmerkungen sind erlaubt, aber nicht zu viel! Wichtig: Jeder hat eine andere Stiftfarbe.
  • Nach 15 Minuten wird getauscht. Nun hat man 5 Minuten Zeit, die neue Idee anzuschauen. Schon starten neue 15 Minuten zum Zeichnen.
  • Am Ende diskutiert man im Team die verschiedenen Ideen.

In diesem Video können Sie die Methode anschaulich im Zeitraffer sehen.

Janine Wolf-Schindler

Eine einzige Person kann das Team negativ beeinflussen.

In jedem Team gibt es von Zeit zu Zeit Probleme im Team durch ein faules Ei – eine Person, die offenkundig keine Lust auf Teamarbeit hat. Das kann sich in ihrer Kommunikation, in mangelndem Commitment oder in fehlendem Enthusiasmus äussern.

Solch eine Person beinträchtig die Leistung des Teams enorm. Gemäss dem Ringelmann-Effekt nimmt die Leistung des Einzelnen umso mehr ab, je größer ein Team wird. Man tendiert dazu, sich zu «verstecken». Dieses Problem kann man durch Belohnung von Einzelleistungen vermeiden.

Doch wer ein «faules Ei» im Team hat, dem gelingt es nicht so leicht, dagegenzusteuern: Der Soziologe Benjamin Walker fand heraus, dass die schlechte Leistung einer Person nicht kompensiert werden kann – auch nicht von einem gut funktionierendem Team. Hinzu kommt, dass Atmosphäre in der Gruppe erheblich gestört wird.

Die ein Person steckt alle anderen an – wie auch eine weitere Studie zur «Social Contagion Theory» zeigte. Schon kleine Signale, das man keine Lust hat, unmotiviert oder schlecht gelaunt ist, verschlechtern die Teamarbeit enorm. Das kann dazu führen, dass alle anderem im Team zunehmend frustriert und unmotiviert sind.

Wie kann man auf ein faules Ei im Team reagieren?

Carolyn O’Hara gibt in einem Artikel des Harvard Business Reviews klare Tipps.

Ihr erster Tipp ist einfach, geht im Alltag aber oft vergessen: Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse. Vielleicht ist der Grund einer längeren fehlenden Mitarbeit persönlicher Natur. Stress in der Partnerschaft oder Krankheit von Eltern nimmt natürlich die Motivation, sich aktiv im Team einzubringen.

Fragen können helfen, in einen Dialog zu treten, um Anschuldigungen zu vermeiden. So erfahren Sie beispielsweise durch Fragen, ob die Person überlastet ist durch andere Projekte.

Genauso einfach tönt ihr weiterer Tipp – den viele Teams nicht einhalten: Schliessen Sie niemanden aus. Es geht schnell, dass wir einen Querulanten aus unsrer Mitte ausschliessen. Gerade als Teamchef sollte man aktiv auf die Person zugehen und sich bei einem Kaffee besser kennenlernen.

Überlegen Sie zudem: Sind die Rollen klar verteilt? Schüchterne Menschen oder solche, die sich keine Blösse geben wollen, wollen oft nicht nachfragen. Es kann sein, dass die Rollen nicht klar sind. Aus Angst, falsch zu agieren, bringen sich dadurch einige nicht ein.

In solch einem Gespräch sollten zudem die Ziele des Teams geklärt werden. Vielleicht gibt es auch Anpassungen über die einzelnen Rollen. Stärken, Schwächen, Vorlieben oder Abneigungen wurden möglicherweise nicht genug berücksichtig.

Wichtig ist vor allem aber: Handeln Sie. Wenn einer im Team nicht mitzieht, leidet die gesamte Teamarbeit.

Janine Wolf-Schindler

 

Priming gibt Selbstbewusstsein. Bild: Dank stockimages von FreeDigitalPhotos.net

Manchmal beschreibt die Psychologie faszinierende Phänomene, die man für sich und sein Team nutzen kann. Priming, zu Deutsch Bahnung, ist eines davon. Unser Gehirn wird subtil durch vorgegebene Reize wie Wörter, Gerüche und Bilder beeinflusst. Diese Reize legen eine «Spur» an, die die darauffolgenden Inhalte durch Assoziationen beeinflussen.

Ein Beispiel ist der sogenannte Florida-Effekt: Wenn Menschen auf das Thema «Altern» geprimet sind bewegen sie sich automatisch langsamer. Mann muss ihnen vorher nur Worte, die sich ums Altern drehen, vorlegen.

Ein anderes Beispiel: Halten Versuchspersonen einen Bleistift zwischen den Zähnen, finden sie Comics lustiger. Sie sind auf Lachen geprimet.

Wir kennen diesen Effekt auch aus der Werbung: Ausgelöse Gefühle sollen auf ein Produkt übertragen werden –  «Freiheit» beim Fahren durch grandiose Landschaften soll mit dem Auto assoziiert werden.

Doch nicht nur in der Werbung, sondern auch für sich selbst kann Priming genutzt werden. Leistungssportler etwa benutzen diese Technik schon lange, um sich auf Erfolg zu trimmen. David Platt, der ehemalige Kapitän der englischen Fußballnationalmannschaft sah sich vor wichtigen Spielen Aufnahmen von seinen grössten Torerfolgen an. So auf Sieg geprimet, kann die Psychologie in Schlüsselmomenten den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen.

Mehr Selbstbewusstsein durch gezielte Fragen

Jack Nasher, Autor des Buches «Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen», beschreibt, wie man diese Technik auch in der Berufswelt für sich nutzen kann. Vor einem wichtigen Gespräch solle man sich schnell folgende Fragen beantworten:
– Was kann ich eigentlich?
– Warum bin ich der Richtige für den Job/das Projekt?
– Was war mein größter beruflicher Erfolg?
– Warum bin ausgerechnet ich eine gute Führungspersönlichkeit?

Durch die blosse Beschäftigung mit diesen Fragen ist man innerlich auf Erfolg geprimet. Dadurch ändert sich das eigene Verhalten – wenn auch minimal. Man strahlt mehr Zuversicht aus. Vielleicht verändert sich die Haltung, man wirkt selbstbewusster und positiver. Im Sinne einer «self-fulfilling prophecy» bin ich tatsächlich erfolgreicher, weil ich an meinen eigenen Erfolg glaube.

Priming für ein besseres Betriebsklima

besseres Betriebsklima, wenn niemand unsicher ist

Aggression oder Mobbing ist oft ein Ausdruck von Unsicherheit

Wie wirkt sich das nun auf das Betriebsklima aus? Aggression ist oft Ursache eines mangelnden Selbstwertgefühls. Wenn innerlich nicht stabil ist, reagiert schon auf eine kleine Konfrontationen aggressiv, beschreibt Arbeitspsychologie und Mobbing-Forscher Dieter Zapf. Wer sich als Chef fachlich unterlegen fühlt, kann seine Unsicherheit durch Erniedrigung zu kompensieren versuchen.

Jack Nasher ist daher überzeugt, dass sich Priming auch positiv auf das Betriebsklima auswirkt. Innere Zuversicht, so der Autor, ist nämlich mehr als Luxus für Führungskräfte – sie ist essentiell.

Ein häufiger Einwand ist hier: Was ist mit ein bisschen Bescheidenheit? Sollte man wirklich alle Selbstwzweifel ablegen? Dazu gibt Nasher ein Beispiel: Wenn Sie mit einem Knochenbruch in einem Provinzkrankenhaus vor einer wichtigen OP liegen, wollen Sie auch nicht, dass der leitende Arzt ihnen mit aller Bescheidenheit sagt, dass er sicher nicht der Beste sei, im Studium nicht der Fleißigste gewesen sei, und am liebsten eigentlich Musiker hätte werden wollen.

Zusammengefasst: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

Janine Wolf-Schindler

In der Teamkonferenz sprechen meist die anderen. Wenn Sie auch etwas sagen wollen, wird ihr Thema rasch wieder vom Tisch gefegt. Egal was Sie machen, Sie haben das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.

Wie kann man dies ändern? Mit diesen 5 Schritten können Sie sukzessive dafür Sorgen, ernst genommen zu werden.

Selbstwertgefühl und Authentizität

Der wohl wichtigste Schritt ist, Selbstwertgefühl zu bekommen. Fühlen Sie sich wohl in Ihrer Haut? Wie wirkt Ihre Körperhaltung auf die anderen? Haben Sie sich Gedanken zu Ihren nonverbalen Signalen gemacht?

All diese Fragen benötigen natürlich ein hohes Mass an Selbstreflexion. Üben Sie zu Hause vor dem Spiegel, besuchen Sie ein Rhetorikseminar oder sogar einen Theaterkurs. Auch Sport wie Yoga oder Cantienica haben eine Auswirkung auf Haltung und Ausstrahlung. Nicht zuletzt gilt das etwas oberflächliche Sprichwort: dress to impress – vor allem im Job.

Denken Sie dabei stets: Ich mache das nicht nur für meinen Job, sondern allen voran für mich selbst!

Übrigens: Die sogenannte Power Posen strahlen Macht aus und verbessern das Selbstwertgefühl:
– Aufrechte Haltung
– Beine fest im Boden
– Kräftige Stimme
– ruhige Gesten, vor allem mit Fingern

Wichtig ist es dabei natürlich, stets sich selbst zu bleiben. Authentizität ist wichtiger als jede Power Pose. Dennoch sollte man die Wirkung der eigenen Ausstrahlung und Haltung nicht unterschätzen.

Fachwissen

Wer über Fachwissen verfügt, kann selbstverständlich selbstsicherer Auftreten. Daher sollten Sie sich fragen: Haben Sie das Gefühl, genug Kompetenzen und Fachwissen für Ihre Aufgabe zu haben? Eventuell fühlen Sie sich überfordert oder nicht sicher genug.

Fortbildungen können helfen, aber manchmal genügt es schon, in eine Buchhandlung zu gehen und ein bisschen extra Material zu lesen.

Doch auch wer über Fachwissen verfügt, bringt es manchmal falsch rüber. Sehen Sie Probleme, werden aber nicht ernst genommen? Vielleicht sollten Sie einen Lösungsansatz  gleich mitliefern.

Delegieren können

Ein Team anleiten, ist nicht gerade einfach. Die wenigsten sind geborene Führungskräfte. Gerade weibliche Führungskräfte tendieren anfangs dazu, zu nett zu sein. Doch sobald Sie das Gefühl haben, dass man sich über Ihre Entscheidungen im Team hinweg setzt, sollten Sie reagieren. Versuchen Sie, eine gute Balance aus Autorität und Empathie zu finden.

Suchen Sie den Rat von anderen Teamleadern. Eventuell lernen Sie, dass Sie auch einmal unbequem und unnachgiebig sein müssen.

Ernst genommen werden ist wichtig – nicht nur als Führungskraft. Haben Sie umgekehrt das Gefühl, dass sie von «oben» nicht ernst genommen werden, sollten Sie lernen, Nein sagen zu können.

 

Aufgepasst: Manche Menschen sind sehr selbstkritisch. Zweifeln Sie nicht an sich, nur weil Ihr Team Sie einmal übergangen hat. Doch häufen Sich die Zwischenfälle, sollten Sie daran arbeiten.

Janine Wolf-Schindler

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