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Priming gibt Selbstbewusstsein. Bild: Dank stockimages von FreeDigitalPhotos.net

Manchmal beschreibt die Psychologie faszinierende Phänomene, die man für sich und sein Team nutzen kann. Priming, zu Deutsch Bahnung, ist eines davon. Unser Gehirn wird subtil durch vorgegebene Reize wie Wörter, Gerüche und Bilder beeinflusst. Diese Reize legen eine «Spur» an, die die darauffolgenden Inhalte durch Assoziationen beeinflussen.

Ein Beispiel ist der sogenannte Florida-Effekt: Wenn Menschen auf das Thema «Altern» geprimet sind bewegen sie sich automatisch langsamer. Mann muss ihnen vorher nur Worte, die sich ums Altern drehen, vorlegen.

Ein anderes Beispiel: Halten Versuchspersonen einen Bleistift zwischen den Zähnen, finden sie Comics lustiger. Sie sind auf Lachen geprimet.

Wir kennen diesen Effekt auch aus der Werbung: Ausgelöse Gefühle sollen auf ein Produkt übertragen werden –  «Freiheit» beim Fahren durch grandiose Landschaften soll mit dem Auto assoziiert werden.

Doch nicht nur in der Werbung, sondern auch für sich selbst kann Priming genutzt werden. Leistungssportler etwa benutzen diese Technik schon lange, um sich auf Erfolg zu trimmen. David Platt, der ehemalige Kapitän der englischen Fußballnationalmannschaft sah sich vor wichtigen Spielen Aufnahmen von seinen grössten Torerfolgen an. So auf Sieg geprimet, kann die Psychologie in Schlüsselmomenten den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen.

Mehr Selbstbewusstsein durch gezielte Fragen

Jack Nasher, Autor des Buches «Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen», beschreibt, wie man diese Technik auch in der Berufswelt für sich nutzen kann. Vor einem wichtigen Gespräch solle man sich schnell folgende Fragen beantworten:
– Was kann ich eigentlich?
– Warum bin ich der Richtige für den Job/das Projekt?
– Was war mein größter beruflicher Erfolg?
– Warum bin ausgerechnet ich eine gute Führungspersönlichkeit?

Durch die blosse Beschäftigung mit diesen Fragen ist man innerlich auf Erfolg geprimet. Dadurch ändert sich das eigene Verhalten – wenn auch minimal. Man strahlt mehr Zuversicht aus. Vielleicht verändert sich die Haltung, man wirkt selbstbewusster und positiver. Im Sinne einer «self-fulfilling prophecy» bin ich tatsächlich erfolgreicher, weil ich an meinen eigenen Erfolg glaube.

Priming für ein besseres Betriebsklima

besseres Betriebsklima, wenn niemand unsicher ist

Aggression oder Mobbing ist oft ein Ausdruck von Unsicherheit

Wie wirkt sich das nun auf das Betriebsklima aus? Aggression ist oft Ursache eines mangelnden Selbstwertgefühls. Wenn innerlich nicht stabil ist, reagiert schon auf eine kleine Konfrontationen aggressiv, beschreibt Arbeitspsychologie und Mobbing-Forscher Dieter Zapf. Wer sich als Chef fachlich unterlegen fühlt, kann seine Unsicherheit durch Erniedrigung zu kompensieren versuchen.

Jack Nasher ist daher überzeugt, dass sich Priming auch positiv auf das Betriebsklima auswirkt. Innere Zuversicht, so der Autor, ist nämlich mehr als Luxus für Führungskräfte – sie ist essentiell.

Ein häufiger Einwand ist hier: Was ist mit ein bisschen Bescheidenheit? Sollte man wirklich alle Selbstwzweifel ablegen? Dazu gibt Nasher ein Beispiel: Wenn Sie mit einem Knochenbruch in einem Provinzkrankenhaus vor einer wichtigen OP liegen, wollen Sie auch nicht, dass der leitende Arzt ihnen mit aller Bescheidenheit sagt, dass er sicher nicht der Beste sei, im Studium nicht der Fleißigste gewesen sei, und am liebsten eigentlich Musiker hätte werden wollen.

Zusammengefasst: Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr.

Janine Wolf-Schindler

Abends im Bett kommt plötzlich dieser Gedanke:  «Dieses E-Mail hätte ich unbedingt noch schreiben sollen… Diese Aufgabe habe ich wieder nicht erledigt…». Adrenalin gelangt in den Körper, an Schlaf ist nicht zu denken. Viele Menschen schieben unliebsame Aufgaben trotz To-do-Listen immer wieder auf.

Doch mithilfe psychologischer Tricks und einer App können wir aus unseren Mustern ausbrechen – dadurch sind wir nicht nur produktiver, sondern fühlen uns auch besser.

1. Prioritäten setzen

Es liegt in der menschlichen Natur, Unliebsames auf die lange Bank zu schieben. Schon ist der Tag vorbei und auch wenn man viel gemacht hat, ist Wichtiges liegen geblieben. Daher sollte man am Morgen schon genau kontrollieren: Was ist heute am wichtigsten? Am besten ordnet man seine Aufgaben von #wichtig bis #unwichtig. Wichtiges sollte schon vor dem Mittag erledigt sein.

Doch noch bleibt das Problem bestehen: Wie zwinge ich mich dazu, mich auf einen Task zu konzentrieren? Hierfür benutze ich eine App.

2. Zeitmanagement-App

unliebsame Tasks erledigen App

Dieses App hilft, unliebsame Tasks erledigen

Mit der App 30/30 bleibe ich fokussiert. Ich zwinge mich zum Beispiel, fünfzehn Minuten E-Mails zu beantworten. Die App zählt die Zeit herunter. Anfang ertappe ich mich dabei, aufstehen zu wollen und einen Tee zu kochen – doch nein: Ich muss dran bleiben. Wenn ich früher fertig bin oder länger brauche, kann man schnell +/- 5 Minuten abändern.

Um diese App sinnvoll zu bedienen, ist es wichtig, sich positive Anreize zu setzen:

– Kaffeepausen
– Zwanzig Minuten Yoga
– mit meiner Schwester auf WhatsApp kommunizieren
– nach günstigen Flüge in den Süden stöbern…

3. Den nächsten Tag vorbereiten

Wenn man am Tagesende schon für den nächsten Tag eine Prioritätenliste erstellt, die App einstellt und sich positive Anreize setzt, geht man federleicht in den Feierabend. So lässt man alle Gedanken an Tasks zurück am Arbeitsplatz.

Mit diesen drei Punkten sind Sie auch in stressigen Zeiten gewappnet und schaffen Ihre wichtigsten Tasks.

 Janine Wolf-Schindler

 

«Ich schaffe es..» oder «das klappt eh nicht..» – wir ahnen, dass unsere innere Haltung unser Tun beeinflussen kann. Doch wie stark diese Emotionen wirken, ist uns oft zu wenig bewusst.

Misstöne bei einer Verhandlung. Bild: freedigitalphotos.net, © Frank242

Misstöne bei einer Verhandlung. Bild: freedigitalphotos.net, © Frank242

Sie verleihen uns Stärke oder lassen uns auf Distanz gehen. Wir werden selbstbewusst oder machen uns klein.

Es gibt zahlreiche Ratgeber darüber, wie wir unsere Emotionen kontrollieren, um nicht irrational zu werden.

Doch Shirli Kopelman, Professorin, Buchautorin und Spezialistin für Verhandlungen, erklärt: Emotionen sind eine wertvolle Ressource für uns, die wir nützen müssen und nicht «ausschalten» sollten. In fünf Schritte erklärt sie uns, wie das funktioniert.

1. Achtsam sein

Um unsere Emotionen für uns zu nützen, müssen wir sie im ersten Schritt genau verstehen. Vor Verhandlungen, Teammeetings oder Kundengesprächen sollten wir in uns reinhorchen. Sind wir momentan frustriert oder genervt? Erst wenn wir unsere Emotionen identifizieren können, können wir die Schritte 2-4 verfolgen.

2. Den Auslöser erkennen

Manchmal wissen wir gar nicht genau, warum wir gerade genervt sind. Suchen Sie aktiv nach einem Auslöser. Vielleicht sehen Sie, dass einer aus dem Team mit zusammengekniffenen Augenbrauen vor Ihnen sitzt. Das irritiert während des Gesprächs. Oder sind Sie genervt wegen einer E-Mail von heute morgen? Schieben Sie das jetzt weg, weil es für das Teammeeting nicht relevant ist. Gerade als Chef oder Chefin sollten Sie achten, Ihrem Team gegenüber nicht genervt aufzutreten, wenn Sie durch externe Faktoren gestresst sind.

3. Den Auslöser neu interpretieren

Nicht immer geht Wegschieben. Der Zuhörer mit den Augenbrauen irritiert. Doch: Vielleicht gilt die kritische Haltung gar nicht Ihnen? Wir neigen oft dazu, Handlungen fälschlicherweise in Bezug auf uns zu interpretieren.

Vielleicht haben Sie Angst, dass Ihr Vortrag nicht gut ist und fühlen sich durch die zusammengekniffen Augenbrauen bestätigt. Dabei hat Ihr Gegenüber lediglich seine Brille vergessen und kneift die Augen angestrengt zusammen, um die Power-Point-Präsentation zu lesen. Bei der Schilderung dieser Situation, die von Shirli Koppelman im Harvard Business Review beschrieben wird, musste ich mich an die eigene Nase fassen – sowohl als Vortragende als auch als Hörerin ist mir das schon begegnet.

4. Emotionen durch Körpersprache ändern

Körperhaltung und Gesichtsausdruck spiegeln unsere Emotionen wieder, können aber auch aktiv geändert werden. Bild: © freedigitalpoctures, stockimages

Körperhaltung und Gesichtsausdruck spiegeln unsere Emotionen wieder, können aber auch aktiv geändert werden. Bild: © freedigitalpoctures, stockimages

Nicht immer funktionieren Schritt 2 und 3. Wenn Frust oder Verärgerung zu stark sind, können sie an sich selbst aktiv werden. Versuchen Sie, Ihren Gesichtsausdruck zu ändern, die Körperhaltung zu entspannen, Ihre Mitte zu finden. Verlangsamen Sie für einige Sekunden bewusst Ihren Atem. Das hilft, die Emotion abzuschwächen oder zu ändern.

5. Ergreifen Sie Maßnahmen, die andere sehen

Andere nehmen Ihre Emotionen meist wahr. Daher können Sie öffentlich reagieren – Sprechen Sie den Mann mit den hochgezogenen Augenbrauen an! Das müssen Sie im ersten Schritt nicht verbal machen. Lächeln Sie ihn einfach fragend an.

 

Wenn Sie sich in einer dieser Situationen wieder erkannt haben, versuchen Sie das nächste Mal bewusst darauf zu reagieren. Das ist einfacher als gesagt, denn im Arbeitsalltag scheitern wir meist schon daran, unsere Emotionen zu identifizieren und zuzuordnen.

Doch wer diese Schritte schafft, bleibt in seinem Gleichgewicht und strahlt Souveränität und Selbstsicherheit aus. Auch wenn – denn das ist nur menschlich – er oder sie einen Fehler macht.

Janine Wolf

 

Mit der Familie nach Griechenland oder Spanien, Entdeckerreisen nach Botswana oder Albanien – die Urlaubszeit hat begonnen und der Kuoni-Ferienreport 2014 verrät uns die wichtigsten Ziele. Schweizerinnen und Schweizer sind reiselustig – laut dem Bundesamt für Statistik gehen 70% in die Ferien, durchschnittlich etwas mehr als zwei Mal pro Jahr.

Zu schnell bleiben vom Urlaub nichts als Erinnerungen zurück.  Bild: winnond, freedigitalphotos.net

Zu schnell bleiben vom Urlaub nichts als Erinnerungen zurück. Bild: winnond, freedigitalphotos.net

Doch kaum ist die kurze Zeit vorbei, geht die Arbeit mit vollem Tempo weiter. Vor knapp zwei Jahren stimmte das Schweizer Stimmvolk gegen sechs Wochen Ferien – eines der Hauptargumente der Initiative-Gegner war, dass die Arbeitszeit nur noch stressiger werden würde. Denn nach den erholsamen Ferien startet die Arbeit mit voller Kraft. Ausgebaute Reserven verschwinden innert eines Monats: Psychologen der Universität Konstanz nennen das Phänomen «fading out», das heisst, dass all die angesparte Erholung schnell wieder verschwindet.

Um länger von der getankten Energie zu profitieren, braucht es ein bisschen Organisation und natürlich das ganze Team.

1. Sinnvolle Planung der Reisezeit

Legen Sie sich die Ferien so, dass sie nach der Rückkehr noch einen Tag zu Hause haben. Sie brauchen die Zeit, um «anzukommen». Idealerweise starten Sie den ersten Arbeitstag nicht am Montag, sondern Mitte der Woche: So profitieren Sie schnell vom nahenden Wochenende.

2. Erstellen Sie schon vorher eine To-Do-Liste

Was sind die wichtigsten Dinge, die Sie nach dem Urlaub erledigen müssen? Eventuell kann es sinnvoll sein, dass hier das Team mit einbezogen wird. So müssen Sie am Abend vor dem ersten Arbeitstag nicht im Kopf eine Liste erstellen – das spart Ihnen im Vorfeld Stress.

3. Nehmen Sie ein Stück Urlaub mit ins Büro

Ein schönes Urlaubsfoto als Desktop-Hintergrund oder eine Muschel auf dem Schreibtisch – eine kleine Erinnerung am Arbeitsplatz lässt den Urlaub nicht so schnell verblassen.

4. E-Mails noch sein lassen

Wenn Sie in den Ferien aber keine E-Mail abrufen: Starten Sie damit nicht um 8 Uhr am ersten Arbeitstag. Denn so werden Sie von vielen unnötigen Informationen überhäuft und der Stresspegel steigt. Ihre Teamkollegen sind die bessere Informationsquelle, was es zu machen gilt.

Vielleicht gehören Sie zu der Hälfte, die die E-Mails in den Ferien regelmässig checkt. Wenn ja – wenn Sie sich daran stören: Versuchen Sie wenigstens, feste Zeiten einzuplanen und diese wenn möglich, auch mit dem Chef zu koordinieren. Vielleicht kann hier eine Regelung im Team getroffen werden, sodass wirklich Ferien möglich werden.

jesadaphorn

Das Team ist gefragt, um Überforderung nach dem Urlaub zu vermeiden. Bild: jesadaphorn, freedigitalphotos.net

 

5. Sanfter Start in die Arbeit: Teamsache

Auch hier ist das Team gefragt: Ist ein Teamkollege zurück, denken Sie also nicht: «Super, er ist wieder voller Elan zurück, jetzt muss er wieder Vollgas geben». Denken Sie stattdessen:  «Die ersten Tage sind stressig genug – Mails checken, auf den neusten Stand kommen, etc.»

In den ersten Tagen sollte also der Rückkehrer nicht permanent mit Arbeitsanweisungen und Fragen überhäuft werden. Ein Start von 0 auf 120 bringt niemanden etwas – zu schnell geht die Luft nämlich wieder raus. Vom Urlaub ist nichts als die Bräune erhalten, die mit der Zeit ebenfalls verblasst.

Janine Wolf 

 

Ein Selbstversuch: Schauen Sie auf das Gänseblümchen und sagen Sie für jedes kleine Blättchen die Farbe «weiss». (weiss, weiss, weiss…)

Antworten Sie nun schnell: Was trinkt die Kuh? (Antwort siehe unten.)

Wir Menschen irren uns oft – kluge Menschen mit einer höheren Intelligenz sogar häufiger, wie Wissenschaftler nun herausgefunden haben. Kluge Menschen tappen nämlich oft in Denkfallen hinein. Das liegt daran, dass Sie – von ihrer eigenen Intelligenz überzeugt – denken, dass sie eh alles können. Sie erliegen ihrer eigenen Hybris, der Selbstüberschätzung.

Doch es gibt noch weitere Denkfallen, denen beinahe alle erliegen. Hierzu gibt es ein sehr lesenswertes Buch von Daniel Kahneman: Thinking fast and slow. Das Buch liegt auch in deutscher Übersetzung vor.

Kahneman, Nobelpreisträger und einer der einfallsreichsten Kognitionspsychologen unserer Zeit gibt uns gut recherchierte Beispiele, wie wir immer wieder in solche Denkfallen tappen. Unsere Intuition täuscht uns öfter, als wir denken. Unsere Intuition ist voller Fehler! Das ist angesichts der tausenden von schnellen Entscheidungen, die Manager jeden Tag intuitiv treffen, mehr als fatal. Gerade wenn wir uns schnell entscheiden müssen, gehen wir oft von falschen Annahmen aus. Wir denken, dass wir alle Fakten korrekt einbezogen haben, Statistiken richtig auswerten und Schlüsse richtig ziehen – doch wir tun es eben nicht.

So erzählt Kahneman eine Geschichte: Steve wird wie folgt beschrieben. Er ist schüchtern, zurückgezogen, hilfsbereit aber eher menschenscheu. Er ist ordentlich, sehr exakt und detailverliebt.  Antworten Sie intuitiv:

Ist Steve eher Bauer oder Bibliothekar?

Die meisten tippen auf Bibliothekar. Statistisch gesehen ist diese Antwort aber höchst unlogisch. Es gibt viel mehr Bauern als Bibliothekare. Wir greifen auf Stereotype zurück, nicht auf gesichertes Wissen.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen (und würde es gar als Pflichtlektüre für Manager einsetzen) – je mehr wir über unsere Fehler in der Entscheidungsfindung wissen, desto besser können wir sie vermeiden.

Übrigens: Kühe trinken natürlich Wasser. Sie werden erstaunt sein, wie oft Sie als Antwort Milch hören, da diese weiss ist…

Janine Wolf